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CLIA ID: 99D1030870
 
FDA-Registrierung
3002965587
 
Letzte Aktualisierung:
04.04.2012

Humanes Bocavirus (HboV)

 

-ein blinder Passagier zeigt sein Gesicht-

 

Steckbrief

 

Unerkannt, sozusagen als blinder Passagier, begleitet das HBoV die Menschheit wahrscheinlich schon sehr lange. Erst im Jahre 2005 gelang es Tobias Allander und seinen Kollegen vom Karolinska Institut in Stockholm mit Hilfe moderner molekularbiologischer Methoden diesem blinden Passagier auf die Spur zu kommen (1). Fündig wurde man in Respirationstraksekreten pädiatrischer Patienten mit charakteristischen akuten Erkrankungen der Atemwege, bei denen die Suche nach bekannten Krankheitserregern erfolglos blieb. Die phylogenetische Analyse des unbekannten Agens führte zu dessen Eingruppierung in die Familie der Parvoviren, mit verwandtschaftlicher Nähe zum humanen Parvovirus B19. Ursächlich für die Namensgebung war jedoch dessen noch größere Nähe zu den bei Rindern (bovin) und Hunden (canin) vorkommenden Parvoviren. Bei dem HBoV handelt es sich also um ein sehr kleines (4000-6000 Nukleotide), unbehülltes Virus mit einzelsträngigem DNA-Genom.

 

Klinische Relevanz

 

In zahlreichen internationalen Publikationen wird übereinstimmend von einer Beteiligung des HBoV bei Erkrankungen des unteren und oberen Respirationstrakts besonders bei Neugeborenen und Kindern, berichtet (2, 3). Das klinische Spektrum reicht von Husten, Rhinitis, Pharyngitis, bis hin zu obstruktiver Bronchitis, Bronchiolitis, Pneumonie und hohem Fieber. Unsere eigene Daten, basierend auf mehreren 100 Fällen, bestätigen dies. Auch Fälle von Gastroenteritiden wurden beschrieben (4). Intrauterine Infektionen, wie wir sie von Parvovirus B19 kennen, wurden für die HBoV bislang jedoch nicht beobachtet (5, 7). Das HBoV findet sich oft als Koinfektion mit anderen viralen Pathogenen des Respirationstraktes wie z.B. RSV, Metapneumoviren oder Rhinoviren. Dies warf die Frage auf, ob denn das HBoV selbst ein Pathogen ist, oder ob es nur als harmloser Mitläufer (innocent bystander) zu bewerten sei (8). Neue Daten, nach denen das Immunsystem das HBoV eindeutig als Pathogen erkennt und im klinischen Verlauf mit Serokonversion, spezifischer Immunantwort und Reduktion der Virusmenge reagiert, sprechen allerdings für dessen Rolle als Pathogen (9, 10). Gemäß den Richtlinien der amerikanischen CDC wurde es auch als "new emerging pathogen" eingestuft. Eine endgültige Klärung der Pathomechanismen steht noch aus.

 

 

Epidemiologie 

 

Bocaviren sind weltweit verbreitet. Die publizierten Nachweisraten bocaviraler DNA mittels PCR bei akuten Atemwegsinfektionen schwanken zwischen 1.5 % und 19 % (2). Im Unterschied zu den anderen viralen Verursachern akuter Atemwegsinfekte persistiert das HBoV und führt nach symptomatischer Primärinfektion zu einer vermutlich lebenslangen protektiven Immunität mit Seroprävalenzraten von 94 % bis 100 % ab dem 6. Lebensjahr. Die meisten Primärinfektionen erfolgen bis zum 2. Lebensjahr. So liegt bei 6-8 Monate alten Babys die Seroprävalenzrate noch bei 5.8 % (6). Klinisch auffällige Mehrfachinfektionen mit HBoV sind bei immunkompetenten Personen daher eher nicht zu erwarten. Ein saisonal begrenztes Auftreten, wie dies z. B. für Influenza oder RSV bekannt ist, lässt sich für das HBoV bislang nicht erkennen.

 

 

Diagnostik

 

Kommerzielle serologische Testverfahren zum Nachweis von anti-HBoV Antikörper sind noch nicht verfügbar. Die Diagnostik basiert daher auf dem Nachweis spezifischer bocaviraler DNA mittels PCR in respiratorischen Sekreten/Abstrichen und im Serum. Dies hat den Nachteil, dass bei einem positiven Nachweis eine klare Unterscheidung zwischen einer primären oder einer reaktivierten Infektion nicht immer möglich ist. Bei Neugeborenen mit akuten Atemwegsinfekten ist der Nachweis großer Virusmengen in den Atemwegsproben und gleichzeitiger Virämie (Nachweis der viralen DNA auch im Blut) jedoch ein Hinweis für eine symptomatische Primärinfektion mit HBoV. Der Nachweis geringer Virusmengen ist weniger eindeutig zu interpretieren, da dies auch bei asymptomatischen Patienten beobachtet wird und auf eine Reaktivierung des persistierenden Virus zurückzuführen sein kann. Andererseits ist eine Quantifizierung der Virusmenge in respiratorischen Sekreten/Abstrichen nur sehr bedingt möglich. Ein positives PCR-Ergebnis sollte daher immer im Zusammenhang mit anderen verfügbaren Daten wie z.B. Lebensalter, klinische Symptomatik oder dem Vorliegen von Laborwerten für andere relevante Respirationstrakterreger interpretiert werden.

 

Untersuchungsmaterial

 

Respiratorische Sekrete/Abstriche, wenn möglich zusätzlich eine Serum oder EDTA-Vollblutprobe.

 

(Weitere Informationen bei Herrn Dr. Schalasta , Tel. 0711-6357-140)

 

 

Literatur

 

(1) Allander T, Tammi MT, Erikkson M, Bjerkner A, Tiveljung-Lindell A, Andersson B.

Cloning of a human parvovirus by molecular screening of respiratory tract samples. Proc Natl Acad Sci USA 2005; 102:12891-12896.

 

 (2) Allander T.

Human bocavirus. J Clin Virol 2008; 41: 29-33.

 

 (3) Chow BD, Esper FP.

The human bocaviruses: a review and discussion of their role in infection. Clin Lab Med 2009; 29:695-713

 

Ch  (4) Chow BD, Ou Z, Esper FP.

      Newly recognized bocaviruses (HboV, HboV2) in children and adults with gastrointestinal illness in the United States. J Clin Virol 2010; 47: 143-147.

 

      (5) Enders M, Lindner J, Wenzel JJ, Baisch C, Schalasta G, Enders G, Modrow S.

      No detection of human bocavirus in amniotic fluid samples from fetuses with hydrops or isolated effusions. J Clin Virol 2009; 45: 300-303.

 

      (6) Endo R, Ishiguro N, Kikuta H, Teramoto S, Shirkoohi R, Ma X, Ebihara T, Ishiko H, Ariga T.

       Seroepidemiology of human bocavirus in Hokkaido prefecture, Japan. J Clin Microbiol 2007; 45: 3218-3223.

 

      (7) Riipinen A, Väisänen E, Lathinen A, Karikoski R, Nuutila M, Surcel HM, Taskinen H, Hedman K, Söderlund-Venermo M.   

      Absence of human bocaviruses from deceased fetuses and their mothers. J Clin Virol 2010; 47: 186-188.

 

           

            (8) Schildgen O, Müller A, Allander T, Mackay IM, Völz S, Kupfer B, Simon A.

      Human Bocavirus: Passenger or Pathogen in Acute Respiratoty Tract Infections. Clin Microbiol Rev 2008; 21: 291-304.

      

      (9) Do M, Fasoli L, Palanius M, Vainionpää R, Kleemola M, Räty R, Leinonen M, Korppi M, Tenore A, Canciani M.

       Serologically verified human bocavirus pneumonia in children. Ped Pulmon 2010; 45:120-126

 

      (10) Schildgen O.

       Humanes Bocavirus: Increasing Evidence for Virulence. Ped Pulmon 2010; 45:118.119.

 

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