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Allgemeines zu RickettsienRickettsien (Rickettsiaceae) sind gram-negative, polymorphe Bakterien. Es handelt sich um obligat intrazelluläre Erreger, die häufig Endothelzellen infizieren. Sie können bei Mensch und Tier eine Vielzahl von Erkrankungen verursachen. Sie werden in der Regel duch Vektoren übertragen. Hierzu gehören u.a. Zecken, Flöhe, Milben und Läuse. Rickettsien, die für den Menschen von Bedeutung sind, werden in drei Gruppen eingeteilt:
Die deutsche und englische Nomenklatur führt immer wieder zu Verwirrung, da die "Spotted Fever Group" nicht der "Fleckfiebergruppe" entspricht.
In Folgendem soll nur auf die Rickettsien eingegangen werden, die nach jetzigem Stand (2009) für Mitteleuropa von Bedeutung sind.
MittelmeerfleckfieberSynomyme: Fièvre boutonneuse, Altweltzeckenfieber, "Mediterranean spotted fever", MSF Der Erreger des MSF ist R. conori. Überträger sind meist Rhipicephalus-Arten, die von Hunden aus dem Mittelmeerraum eingeschleppt werden. Bisher sind diese Zecken in Mitteleuropa noch nicht heimisch (eingeschleppte Zecken können sich allerdings in der Wohnung vermehren und zur Plage werden), aufgrund klimatischer Veränderungen ist jedoch denkbar, dass sie in warme Regionen einwandern könnten. Zum momentanen Zeitpunkt sind es jedoch Importinfektionen. Nach einer Inkubationszeit von 5-7 Tagen erscheint ein generalisiertes makulopapulöses Exanthem, welches sich auch im Gesicht, an Hand- und Fußsohlen manifestiert. Weitere Symptome sind Fieber und Kopfschmerzen. An der Stichstelle bildet sich ein nekrotisierendes Ulcus, das "tache noire" genannt wird. Die Erkrankung dauert 1-2 Wochen. Komplikationen kann es am Auge geben (Uveitis, Retinitis, Atrophie des. N. optikus) und es kommt häufiger zu (Beinvenen-)Thrombosen in Folge einer Gerinnungsaktivierung. In der Literatur werden schwere Fälle mit 6 % angegeben. Die Letalitätsrate bei hospitalisierten Patienten beträgt 2 %. DiagnostikAntikörper werden frühestens nach 7 Tagen gefunden. In der Regel sind sie nach zwei Wochen nachweisbar. Beweisend ist ein 4-facher Titeranstieg. Der Goldstandard ist die Bestimmung mittels indirektem Immunfluoreszenztest (IIFT). Innerhalb der Rickettsiengruppen besteht eine starke Kreuzreaktivität, sodass zwischen R. conori und R rickettsii serologisch nicht differenziert werden kann. Die Anamnese gibt allerdings Aufschluss, um welche Erkrankung es sich handelt. Die früher durchgeführte Weil-Felix-Reaktion, welche auf einer Kreuzreaktion mit verschiedenen Proteus-Stämmen beruht, sollte nicht mehr eingesetzt werden. TherapieDoxycyclin, Alternativen: Azithromycin undf Clarithromycin bei milden Verläufen. Bei schweren Verläufen Doxycyclin i.v.
TIBOLA / DEBONELEine weitere Rickettsieninfektion wird durch R. slovaca verursacht. Übertragen wird diese Rickettsie durch Dermacentor-Zecken. TIBOLA steht für TIck BOrne LymphAdenopathia (Lakos 1987), während DEBONEL für DErmacentor BOrne Necrosis Erythema Lymphadenopathy steht (Otéo 2002). Die Erkrankung ist gekennzeichnet durch eine regionale und oft schmerzhafte Lymphadenopathie. An der Einstichstelle kann wie beim MSF ein Ulcus (Eschar) entstehen, welches teilweise von einem Erythem umrundet ist. Der Zeckenstich ist typischerweise im Kopfbereich lokalisiert. Weitere Symptome sind: Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Schwitzen, Muskel- und Gelenkschmerzen. Nach der akuten Erkrankung kann als Residualsymptom eine Alopezie an der Stichstelle übrig bleiben. Normalerweise handelt es sich um eine milde Erkrankung, jedoch sind bei unbehandelten Patienten auch schwere Verläufe beschrieben. DiagnostikDie Antikörper werden normalerweise mit dem MSF-Antigen im IIFT mit erfasst. TherapieDoxycyclin
Infektionen mit R. helveticaRickettsia helvetica wurde zunächst aus Zecken in der Schweiz isoliert. Überträger ist Ixodes ricinus. Aufsehen erregte die Beschreibung von zwei Erkrankungsfällen von jungen Personen, die mit plötzlichem Tod im Rahmen einer Perimyokarditis durch R. helvetica einher gingen. Weitere Fälle mit Fieber, Schwäche, Myalgien und Cephalgien sind beschrieben. Die Bedeutung der Erkrankung ist noch unklar. Serologische Kreuzreaktionen mit MSF sind beschrieben.
Verantwortlich für den Inhalt Dr. med. Friedemann Tewald (0711-6357-119)
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