STI-Screening mit Multiplex-PCR: Stellungnahme

STI-Multiplex PCR als IGeL – wirklich hilfreich?

Seit einiger Zeit bieten mehrere überregionale Laborgruppen sogenannte Multiplex-PCR-Teste als Selbstzahlerleistung zum Ausschluss von sexuell übertragenen Infektionen (STI) an. Zielgruppe sind Frauen und Männer, welche nach einem ungeschützten Risikokontakt den Ausschluss einer Infektion wünschen, aber keine Symptome aufweisen. Diese vom Hersteller fertig konfektionierten  Teste umfassen ein breites Spektrum von STI (Tab. 1), deren Erreger mit molekularbiologischen Verfahren in Abstrichen bzw. im Urin in einem Untersuchungsansatz parallel nachgewiesen werden können.

Aus unserer Sicht weisen diese Teste jedoch einige Einschränkungen auf:

1. Zu breites Erregerspektrum bei STI-Multiplex-PCR

Das nachweisbare Erregerspektrum umfasst neben N. gonorrhoeae,  C. trachomatis und Trichomonas vaginalis u. a. auch Ureaplasma species, Mycoplasma hominis.

 Ureaplasma sp.und M.hominis findet man in einem relevanten Anteil (20-80% je nach Untersuchungsgruppe und Methodik) auch bei gesunden Frauen [Leli 2018 u.a.]. In einer Stellungnahme des European STI Guidelines Editorial Board wird von einem Screening auf diese Erreger abgeraten, weil bei positivem Befund keine klare Therapieindikation bei asymptomatischen Patientinnen  gegeben ist [Horner 2017]. Das Gleiche gilt nach derzeitigem Kenntnisstand auch für Mycoplasma genitalium [Hughes 2018]. Der behandelnde Arzt wird der Patientin das Ergebnis aber nicht vorenthalten können und muss sich ggf. auf Diskussionen bezüglich der Therapiebedürftigkeit einlassen.

2. Unzureichende Aussagekraft eines negativen Treponema-Befundes.

Die meisten Multiplex-Teste enthalten auch eine Untersuchung auf T. pallidum, den Verursacher der Lues. In Abstrichmaterial lässt sich der Erreger jedoch nur mit ausreichender Empfindlichkeit nachweisen, wenn bereits ein Ulcus vorliegt. Das negative Ergebnis hat somit keine  ausschließende Wirkung. Besser geeignet ist bei asyptomatischen Personen deshalb eine serologische Antiköperuntersuchung ca. 10 Wochen nach dem Kontakt. Durch die serologische Untersuchungen gelingt der Nachweis einer Lues auch bei Infizierten, bei denen kein Primärulcus aufgetreten ist, bzw. das Ulcus nicht bemerkt wurde.

3. Für den Auschluss von HIV und Virushepatitis zusätzlich serologische Untersuchung erforderlich.

Patientinnen, die nach einem Risikokontakt einen Infektionsschluss wünschen, sollte auch eine Untersuchung auf  HIV, HCV und ggf. HBV mittels Antikörper bzw. Antigennachweis angeraten werden. In einigen der kommerziell angebotenen STI-Multiplex-PCR-Sets fehlen entsprechende Hinweise.

Tab.1 Typisches Erregerspektrum von fertig konfektionierten STI-Multiplex-PCR-Testen

Chlamydia trachomatis Neisseria gonorrhoeae
Mycoplasma genitalium Mycoplasma hominis
Ureaplasma urealyticum Ureaplasma parvum
Trichomonas vaginalis Herpes simplex Virus
Treponema pallidum

Wir haben uns deshalb dafür entschieden, kein aufwändig verpacktes und beworbenes STI-Probenahmeset anzubieten, sondern wie bisher aussagekräftige Untersuchungen zum Ausschluss von STI als einzeln anforderbare IGeL durchzuführen. Unser neu gestaltetes IGeL-Formular finden Sie im Anhang

Die entsprechenden von uns empfohlenen Untersuchungen nach einem sexuellen Risikokontakt sind in Tab. 2 zusammengefasst.

Tab. 2 Von Labor Enders empfohlenes STI-Untersuchungsspektrum bei Patientinnen nach Risikokontakt (symptomatisch und asymptomatisch).

C. trachomatis (NAT) N. gonorrhoeae (NAT)
T. vaginalis (NAT)  
Hepatitis B (Serologie) Hepatitis C (Serologie)
Lues (Serologie) HIV (Serologie)

NAT: Nukleinsäureamplifikationstest aus Cervixabstrich (z. B. PCR)

Aus dem Nachweis der in Tab. 2 aufgeführten  Erreger ergibt sich eine klare Therapieindikation.

Bei negativen serologischen Ergebnissen ist eine Kontrolluntersuchung nach dem im Befund angegebenen Intervall erforderlich.

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Abb. 1 Ureaplasma parvum und Mycoplasma hominis auf Mycoplasma-Agar
(M: M. hominis, U: Ureaplasma spezies)

Literatur:

Honer P et al. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018 Nov;32(11):1845-1851

Leli C et al. J Microbiol Immunol Infect. 2018 Apr;51(2):220-225 Absatz

Hughes G, Saunders J. BMJ 2018;363:k4376