Zöliakie (genetische Prädisposition)

Zöliakie ist eine chronische Erkrankung des Dünndarms, die durch Unverträglichkeit gegenüber dem Getreide-Eiweiß Gluten bedingt wird. Familienstudien zeigen, dass die Zöliakie eine hohe Prävalenz bei Verwandten von Betroffenen aufweist und dass genetische Faktoren eine Rolle bei der Entstehung dieser Krankheit spielen. Inzwischen konnten bestimmte HLA-Allele als Prädispositionsmarker identifiziert werden.
Etwa 95 % der Zöliakie-Patienten exprimieren das HLA-DQ2-Heterodimer auf der Zelloberfläche, die übrigen Patienten ohne dieses Merkmal sind meist positiv für das DQ8-Heterodimer. Da etwa 98 % der Zöliakie-Patienten gegenüber nur 20 % in der europäischen Normalbevölkerung eines dieser HLA-Prädispositionsallele aufweisen, geht man von einer engen Assoziation zwischen diesen HLA-Genen und der Zöliakie aus.
Die molekulargenetische Detektion der HLA-DQ2- und HLA-DQ8-Genotypen ist daher ein sehr hilfreicher zusätzlicher Marker in der Zöliakie-Diagnostik. Insbesondere in betroffenen Familien gibt diese Typisierung Hinweise auf Personen mit erhöhtem Erkrankungsrisiko. Im Rahmen einer Ausschlussdiagnostik kann davon ausgegangen werden, dass, wenn keines der aufgeführten Allele vorliegt, mit hoher Wahrscheinlichkeit keine Zöliakie besteht oder entwickelt werden kann (hoher negativer prädiktiver Wert).
Da auch 20 % der Bevölkerung die Prädispositions-Allele tragen, jedoch nicht unbedingt erkranken müssen, scheinen noch weitere bisher unbekannte Faktoren bei der Entstehung einer Zöliakie eine Rolle zu spielen.

Diagnostik

Für folgende Personengruppen ist die molekulargenetische Bestimmung der Prädispositionsallele HLA-DQ2 und –DQ8 sinnvoll:

  • Personen / Patienten mit erhöhtem Risiko für eine Zöliakie, wie z. B. Verwandte 1. Grades eines Zöliakie Betroffenen, Personen mit Diabetes mellitus Typ 1 bzw. Autoimmunthyreoiditis oder Trisomie 21. Hier genügt ein negativer HLA-DQ2/8-Nachweis, um auf die regelmäßige serologische Kontrolle zu verzichten
  • Patienten mit diskrepanten Befunden, v. a. bei widersprechenden serologischen und histologischen Ergebnissen oder bei Patienten mit IgA-Mangel und damit verbundenen fragwürdigen oder fehlenden IgA-Antikörper-Titern
  • Patienten mit fraglicher Zöliakiediagnostik, die längere Zeit (>2 Monate) eine glutenfreie Diät eingehalten haben und bei denen eine Glutenbelastung angedacht ist.
  • Kindern mit klinischen Symptomen und Zeichen der Malabsorption sowie positiver Serologie, bei denen der Verzicht auf eine Biopsie erwogen wird.

Weitere Informationen sind der ESPGHAN-Leitlinie sowie der S2k-Leitlinie Zöliakie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) zu entnehmen.

Methode

Allelspezifische PCR

Probenmaterial

1 x kleines EDTA-Blut-Röhrchen.
Bitte verwenden Sie für molekularbiologische Untersuchungen immer ein separates Röhrchen. Der Transport ins Labor ist nicht zeitkritisch und kann ungekühlt per Postversand erfolgen.
Die schriftliche Einwilligungserklärung des Patienten zu allen genetischen Analysen gemäß Gendiagnostikgesetz (GenDG) ist erforderlich.

Ansprechpartner

Dr. rer. nat. Gunnar Schalasta

Dr. rer. nat. Gunnar Schalasta

Diplombiologe
Dr. rer. nat. Tina Stumpp

Dr. rer. nat. Tina Stumpp

Diplombiologin
Dr. rer. nat. Michael Schmid

Dr. rer. nat. Michael Schmid

Diplombiologe
Dr. rer. nat. Ralph Hahn

Dr. rer. nat. Ralph Hahn

Diplombiologe

Literatur

Husby S et al. (2012). European Society for Pediatric Gastroenterology, Hepatology, and Nutrition Guidelines for the Diagnosis of Coeliac Disease. JPGN 54, 136-160.
Felber J et al. (2014). Results of a S2k-Consensus Conference of the German Society of Gastroenterology, Digestive- and Metabolic Diseases (DGVS) in Conjunction with the German Coeliac Society (DZG) Regarding Coeliac Disease, Wheat Allergy and Wheat Sensitivity. Z Gastroenteol 52(7), 711-743.