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Letzte Aktualisierung:
08.01.2019

Influenza-Impfung

1. Wer soll geimpft werden?

Zielgruppen der Impfung (laut Empfehlungen der STIKO):

1.1. Standardimpfung: Personen über 60 Jahre

1.2. Indikationsimpfung: Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung infolge eines Grundleidens - wie z. B. chronische Lungen-, Herz-Kreislauf-, Leber- und Nierenkrankheiten, Diabetes und andere Stoffwechselkrankheiten, Immundefizienz, HIV-Infektion - sowie Bewohner von Alters- oder Pflegeheimen

1.3. Impfung bei erhöhtem beruflichen Risiko: Personen mit erhöhter Gefährdung, z.B. medizinisches Personal, Personen in Einrichtungen mit umfangreichem Publikumsverkehr sowie Personen, die als mögliche Infektionsquelle für von ihnen betreute ungeimpfte Risikopersonen fungieren können

1.4. Impfung bei erhöhtem beruflichen Risiko: Personen mit erhöhter Gefährdung durch direkten Kontakt zu Geflügel und Wildvögeln (Eine Impfung mit dem aktuellen saisonalen humanen Influenza-Impfstoff bietet keinen direkten Schutz vor Infektionen durch den Erreger der aviären Influenza, sie kann jedoch Doppelinfektionen mit den aktuell zirkulierenden Influenzaviren verhindern.)

1.5. Indikationsimpfung (im Epidemiefall): Wenn Epidemien auftreten oder auf Grund epidemiologischer Beobachtungen befürchtet werden (entsprechend den Empfehlungen der Gesundheitsbehörden)

1.6. Indikationsimpfung erweitert für Schwangere: Da bei Schwangeren ein deutlich erhöhtes Risiko für schwere Krankheitsverläufe beobachtet wurde, ist die Impfempfehlung im Juli 2010 erweitert worden. 

Schwangere sollten ab dem 2. Trimenon geimpft werden. Bei erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch ein Grundleiden besteht die Möglichkeit bereits ab dem 1. Trimenon zu impfen.

2. Wann wird geimpft? Wie schnell wird ein Impfschutz ausgebildet?

Die Impfung soll jährlich, vorzugsweise in den Monaten Oktober und November durchgeführt werden. Im Falle einer drohenden Grippeepidemie ist eine Impfung aber auch noch später möglich und sinnvoll. Die Impflinge sollten dann aber darauf hingewiesen werden, dass die volle Ausbildung eines Impfschutzes etwa 2 Wochen benötigt.

3. Kinderimpfung

Für Kinder von 6-35 Monaten werden Dosen von 0,25 ml oder 0,5 ml angewendet (s. Packungsbeilage). Kinder (bis zum vollendeten 11. Lebensjahr) die noch nie gegen Grippe geimpft wurden, sollten zweimal geimpft werden. Die zweite Dosis sollten Kinder jedoch frühestens 4 Wochen nach der ersten Impfung erhalten

Zusätzlich steht für Kinder und Jugendliche von 2 bis 17 Jahren ein attenuierter Lebendimpfstoff zur Verfügung (Handelsname: Fluenz®). Die STIKO empfiehlt Kinder von 2-6 Jahren mit diesem Lebendimpfstoff zu impfen. Die Applikation erfolgt durch Einsprühen in beide Nasenlöcher. Achtung: Kontraindikationen bzw. Anwendungseinschränkungen (z.B. Immunsuppression, schweres Asthma) beachten [RKI, 2012].

b< Für die Saison 2016/17 empfiehlt das CDC's Advisory Committee on Immunization Practices (ACIP) jedoch nur den inaktivierten Impfstoff, da für die aktuell kursierenden Stämme nur eine ungenügende Schutzwirkung nachgeweisen werden konnte.>b

 

4. Influenza-Impfung in der Schwangerschaft

Es gibt mehrere Gründe, die für eine Influenzaimpfung in der Schwangerschaft sprechen:

4.1. Influenza-Verlauf in der Schwangerschaft

Studien in den USA haben gezeigt, dass Schwangere im zweiten und dritten Trimenon ein Influenza-assoziiertes höheres relatives Risiko für krankenhauspflichtige kardiorespiratorische Erkrankungen haben. Vor allem basiert die STIKO-Impfempfehlung aber auf den Erfahrungen während der (H1N1) 2009-Pandemie. Das RKI weist darauf hin, dass das erhöhte Komplikationsrisiko von Schwangeren  mit verschiedenen physiologischen und immunologischen Veränderungen zusammen hängt, die während einer Schwangerschaft im Körper ablaufen. Diese Veränderungen würden schwangere Frauen für virale Erreger wie das Influenzavirus empfänglicher machen.

Zusätzlich gibt es Hinweise darauf, dass hohes Fieber im 1 Trimenon mit einem erhöhten Fehlbildungsrisiko einhergehen könnte. Folsäure und fiebersenkende Medikament reduzieren das Fehlbildungsrisiko.[Acs, 2005, 2006; Edwards 2006; Hisano, 2012].

4.2. Nestschutz für das Neugeborene durch die mütterliche Influenzaimpfung

Studien konnten zeigen, dass das Immunsystem von Schwangeren protektive Antikörper in hohen Titern gegen Influenzavirus bildet. Es gilt zu berücksichtigen, dass die Impfung von Kleinkinder erst ab dem 6. Lebensmonat möglich ist. Die Impfung von Müttern in den letzten Schwangerschaftsmonaten ist daher die beste Strategie, das Infektionsrisiko bei Neugeborenen durch passiven Immunität zu vermindern.

4.3. Zur Sicherheit der Impfung - kein erhöhtes Risiko in Schwangerschaft bekannt

Pharmazeutischen Unternehmen verweisen: "Begrenzte Daten über Impfungen von schwangeren Frauen weisen auf keine negativen Ergebnisse für den Föten und die Mutter hin, die mit dem Impfstoff in Zusammenhang stehen" [Munoz, 2005; Naleway, 2006; Hisano 2012; Moro 2012], die Impfung ist daher nicht kontraindiziert.

4.4. Therapie in Schwangerschaft

Eine Verabreichung von Medikamenten in der Schwangerschaft ist oft nicht unbedenklich. Bisher gibt es noch keine Daten zur Neuraminidasehemmer-Therapie in der Schwangerschaft.

4.5. Kosten-Effektivität

Eine Studie belegt die Kosten-Effektivität der Impfung für Schwangere. [Roberts, 2006].

5. Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung?

In Deutschland sind mehrere Influenza-Impfstoffe zugelassen:

5.1. Impfstoffe

Die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe entnehmen Sie bitte der PEI-Liste.

5.2. Spalt-Impfstoff

Durch die Zerstörung (Spaltung) des Virus wurde die Aufreinigung verbessert. Daraus sind die so genannten "Spalt-Impfstoffe" entstanden. Diese Impfstoffe enthalten Oberflächenproteine und andere Viruskomponenten.

5.3. Subunit-Impfstoff

Bei den "Subunit-Impfstoffen" werden die gespaltenen Viren noch weiteren Reinigungsschritten unterzogen, so dass am Ende nur die Oberflächenproteine - das Hämagglutinin und die Neuraminidase - vorhanden sind.

5.4. Adjuvans-verstärkte Impfstoffe

Durch Verwendung von Adjuvans kann die Immunogenität des Subunit-Impfstoffs verbessert werden. Die heute in Deutschland zugelassenen adjuvans-verstärkten Impfstoffe enthalten MF59 (eine Emulsion von Squalen in Wasser) oder Virosomen.

5.5. Lebendimpfstoffe

Ein Lebendimpfstoff besteht aus attenuierten (abgeschwächten) vermehrungsfähigen Viren.

6. Welchen Impfstoff soll man nehmen?

Alle Spaltimpfstoffe, Subunitimpfstoffe und virosomale Impfstoffe besitzen in der Praxis vergleichbare Immunogenität und Verträglichkeit. Diese Impfstoffe werden bei Erwachsenen und Kindern ab der 6. Lebensmonat zur Verbeugung der Influenza eingesetzt. Bezüglich einer Impfung in der Schwangerschaft sowie in der Kindheit bis zur Vollendung des 11. Lebensjahr verweisen wir auf die Punkte Schwangerschaft und Kinderimpfung. Die Anwendung dieser Impfstoffe sind in der Schwangerschaft nicht kontraindiziert.

MF59-adjuvierte Impfstoffe sind nur für Personen ab 65 Jahre zugelassen.

7. Bestimmung des Immunstatus nach Impfung

Die quantitative Bestimmung von Antikörpern gegen Influenza mittels Neutralisationstest (NT) dient vor allem der Beurteilung des Immunstatus vor und nach Impfung. Für die Impferfolgs-kontrolle sollte der Antikörpertiter in einem Erstserum (Abnahme am Tag der Impfung) und in einem Zweitserum (Abnahme 4 Wochen später) bestimmt werden. Man geht davon aus, dass ab einem HHT-Titer von >/=1:40 sowohl Infektions- als auch Erkrankungsrisiko um mindestens 50% reduziert sind [de Jong 2003]. Ein HHT-Titer von 1:40 entspricht etwa einem NT-Titer von 1:40 bei Kindern bzw. 1:80-1:160 bei Erwachsenen [Hancock 2009, Eichelberger 2009]. Bei Personen mit NT-Titern von <1:40 (Kinder) bzw. <1:160 (Erwachsene) liegt sehr wahrscheinlich keine ausreichende Immunität vor. Bei NT-Titern von >/=1:320 gehen wir davon aus, dass eine exponierte Person vor einer schweren Erkrankung geschützt ist. Allerdings können auch hohe Titer nicht zu 100% einen Schutz garantieren.

Mehr zum Thema: Nachweis von Antikörpern gegen Influenza mittels Neutralisationstest.

9. Welche Gegenanzeigen bestehen für eine Influenza-Impfung?

Alle zur Zeit zugelassene Impfstoffe enthalten Spuren von Hühnereiproteine, daher darf der Impfstoff bei einer Überempfindlichkeit gegenüber Hühnereiproteinen nicht verabreichet werden. Auch Allergien gegen andere Bestandteile, so wie Formaldehyd, Antibiotika etc., müssen berücksichtigt werden. Die sind auf dem Beipackzettel unter dem Kapitel "Zusammensetzung" oder "Gegenanzeigen" zu finden.

 

10. Welche Arzneimittel beeinflussen die Wirkung von Impfstoffen?

Der Impferfolg kann beeinträchtigt sein, wenn Medikamente eingenommen werden, die das Immunsystem unterdrücken.

 

11. Was muss bei serologischen Untersuchungen beachtet werden?

Nach einer Grippeimpfung können falsch positive Ergebnisse von serologischen Untersuchungen auftreten, wenn der ELISA zur Identifizierung von Antikörpern bei HIV1, Hepatitis C und speziell HTLV1 eingesetzt wird. Diese Störreaktion kann im Westernblot widerlegt werden.

12. Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Alle Influenzaimpfstoffe sind sicher und gut verträglich.

Gelegentlich kann es nach 1-3 Tagen an der Impfstelle zu leichten Schmerzen, Rötung und Schwellung kommen. Auch Allgemeinsymptome wie Fieber, Frösteln, Müdigkeit, Unwohlsein, Kopf-, Muskel-, und Gelenkschmerzen sind möglich. Die Lokal- und Allgemeinreaktionen sind in der Regel von vorübergehender Natur und klingen ohne Therapie rasch und folgenlos ab.

 

Quellen

Links:

WHO: Recommended composition of influenza virus vaccines for use in the

2013-2014 northern hemisphere influenza season.

Paul-Ehrlich-Institut. Influenza-Impfstoffe (Impfstoffe gegen die Grippe)

RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten - Merkblätter für Ärzte. Influenza.

 

Literatur:

Acs N. et al. Maternal influenza during pregnancy and risk of congenital abnormalities in offspring.  Birth Defects Res A Clin Mol Teratol.  2005, 73(12):989-96.

Acs N. et al. Pregnancy complications and delivery outcomes of pregnant women with influenza. J Matern Fetal Neonatal Med. 2006, 19(3):135-40.

de Jong JC et al. Haemagglutination-inhibiting antibody to influenza virus.  Dev Biol (Basel), 2003, 115:63-73.

Hisano M, Yamaguchi K. Usefulness of influenza vaccination during pregnancy to mothers and young infants. Expert Rev Vaccines. 2012, 11(8):903-5.

Kondler-Budde R. Die Praxis der Influenza-Impfung - 22 Fragen und Antworten. 2002. ImpfDialog, 4: 151-156.

Moro PL et al. Safety of seasonal influenza and influenza A (H1N1) 2009 monovalent vaccines in pregnancy. Expert Rev Vaccines. 2012, 11(8):911-21.

Munoz FM. et al. Safety of influenza vaccination during pregnancy. Am J Obstet Gynecol. 2005, 192(4):1098-106.

Naleway AL. et al. Delivering influenza vaccine to pregnant women. Epidemiol Rev. 2006, 28:47-53.

Robert Koch-Institut. Epidemiologisches Bulletin. Stellungnahme der STIKO zum Lebendimpfstoff gegen Influenza. 2012, 37(367).

Roberts S. et al.  Cost-effectiveness of universal influenza vaccination in a pregnant population.  Obstet Gynecol. 2006, 107(6):1323-9.

Windorfer A. Immunogenität und Verträglichkeit eines Grippeimpfstoffs speziell für Personen ab dem 65.Lebensjahr. ImpfDialog, 2005, 3: 113-116

 

Weitere Informationen:

Prof. Dr. med. Gisela Enders (0711/6357-120),  PD Dr. med. Martin Enders  (0711/6357-117), Fr. PD Dr. Maren Eggers  (0711/6357-130)

 

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1. Wer soll geimpft werden?
2. Wann wird geimpft? Wie schnell wird ein Impfschutz ausgebildet?
3. Kinderimpfung
4. Influenza-Impfung in der Schwangerschaft
5. Welche Impfstoffe stehen zur Verfügung?
6. Welchen Impfstoff soll man nehmen?
7. Bestimmung des Immunstatus nach Impfung
9. Welche Gegenanzeigen bestehen für eine Influenza-Impfung?
10. Welche Arzneimittel beeinflussen die Wirkung von Impfstoffen?
11. Was muss bei serologischen Untersuchungen beachtet werden?
12. Welche Nebenwirkungen können auftreten?
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