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Letzte Aktualisierung:
07.03.2019

Zur Situation der FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) in Deutschland und Baden-Württemberg (Stand Januar 2019)

Neben der Borreliose ist die Frühsommermeningoencephalitis (FSME) die zweitwichtigste durch Zecken übertragene Erkrankung.
Im Jahr 2018 wurden insgesamt 583 FSME-Erkrankungen übermittelt, die die Referenzdefinition des RKI erfüllten (Datenstand:  Januar 2019). Dies entsprach einer Zunahme von 20% gegenüber dem Vorjahr (486 FSME-Erkrankungen). Mit Ausnahme der Jahre 2005, 2006, 2011, 213, 2017 und 2018 in denen mit 432, 546, 424, 420, 486 bzw. 583 Fällen ein starker Anstieg verzeichnet wurde, lag die jährlich übermittelte Zahl der FSME-Fälle seit 2002 auf relativ stabilem Niveau mit
einem Median von 283 Fällen. (Quelle: Epidemiologisches Bulletin Nr.7/2019)

Gemeldete FSME-Fälle in Deutschland (Quelle: survStat@RKI)

2001 
2002 
2003 
2004 
2005 
2006 
2007 
2008 
256 
239 
277 
275 
432 
546 
238 
288 
2009 
2010 
2011 
2012 
2013 
2014 
2015 
2016 
313 
260 
424 
195 
420 
263 
219 
353 
2017 
2018 
 
 
 
 
 
 
486 
583 
 
 
 
 
 
 

 

Von den im Jahr 2018 gemeldeten Fällen entfallen weiterhin knapp die Hälfte auf Baden-Württemberg.

Bundesland:
Baden-Württemberg 271
Bayern 224
Berlin 2
Brandenburg 4
Hamburg 1
Hessen 25
Mecklenburg-Vorpommern 1
Niedersachsen 8
Niordrhein-Westfalen 13
Rheinland-Pfalz 6
Saarland 2
Sachsen 12
Sachsen-Anhalt 1
Schleswig-Holstein 1
Thüringen 2

Daten: SurvStat@RKI

FSME-Risikogebiete

Seit 2007 hat sich die Ermittlung der Risikogebiete durch das RKI geändert. Ein Landkreis wird als Risikogebiet deklariert, wenn die Anzahl der übermittelten FSME-Erkrankungen der jetzten fünf Jahre im Kreis ODER in der Kreisregion (bestehend aus betreffendem Kreis plus allen angrenzenden Kreisen) signifikant (p<0,05) höher liegt als die bei einer Inzidenz von 1 Erkrankung/100.000 Einwohner erwartete Fallzahl.

Die aktuelle Risikogebieten wurden jetzt vom RKI im Epidemiologischen Bulletin 7/2019 veröffentlicht. 

 

Neben den bestehenden Risikogebieten kommt 1 Landkreis hinzu:

In Bayern: LK Garmisch-Partenkirchen, LK Landsberg a. Lech, SK Kaufbeuren
In Sachsen: LK Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
In Niedersachsen: LK Emsland

Insgesamt werden 161 Kreis als FSME-Risikogebiete ausgewiesen:

  • 43 Kreise in Baden-Württemberg
  • 91 Kreise in Bayern
  • 9 Kreise in Hessen
  • 10 Kreise in Thüringen
  • 5 Kreise in Sachsen
  • 1 Kreis in Rheinland-Pfalz
  • 1 Kreis im Saarland
  • 1 Kreis in Niedersachsen
  •  

FSME-Risikogebiete in Deutschland (Basis: FSME-Erkrankungen in den Jahren 2002 bis 2018, die dem RKI übermittelt wurden, n = 5090; Stand: 17.1.2019)

Quelle: Epidemiologisches Bulletin 7/2019: FSME: Risikogebiete in Deutschland (Stand: Januar 2019)



Risiko einer FSME-Erkrankung

 

Eine FSME-Infektion durch Zeckenstich verläuft in ca. 70% ohne Symptome bzw. mit den Zeichen eines fieberhaften Infektes. Bei den restlichen 30% kommt es zur manifesten Erkrankung mit Befall des ZNS. Bei ca. 50% dieser Patienten äußert sich die Infektion in Form einer Meningitis, bei ca. 40% in Form einer Meningoencephalitis und bei 10% als Meningoencephalomyelitis (Kaiser 2002). Die Letalitätsrate der erkrankten lag bei 1% und betraf hauptsächlich Patienten mit Meningoencephalomyelitis. Bei 30% kommt es zu passageren oder dauerhaften Schäden.

Im Gegensatz zu Erwachsenen erkranken Kinder seltener und mit leichteren Verläufen. Schwere Fälle sind eine Rarität. In einer Studie in Slovenien erkrankten 70% der symptomatischen Kinder mit Meningitis, 29% mit Meningoencephalitis und lediglich 1,4% mit Meningoencephalomyelitis (Lesnicar et al. 2003). Kein Kind verstarb in Folge der Infektion. Eine weitere Arbeit (Cizman et al. 1999) berichtet über eine etwas höhere Komplikationsrate mit 5,2% (7) intensivpflichtigen Kindern und 2 Kindern (von 133) mit leichten und einem Kind mit schweren Folgeschäden. Insgesamt sind schwere Verläufe bei Kindern jedoch sehr selten.

Maßnahmen zur Verhinderung einer FSME-Infektion

 

Die Möglichkeit der passiven Immunisierung als Postexpositionsprophylaxe mittels FSME-Immunglobulin besteht nicht mehr, da das Präparat schon seit längerem vom Markt genommen wurde. Die Wirksamkeit dieser Maßnahme war in Fachkreisen immer umstritten gewesen und eine protektive Wirkung beim Menschen nie bewiesen. Daneben gab es Berichte über eine Verschlechterung des Verlaufs der FSME-Erkrankung bei nicht zeitgerechter Gabe.

Das konsequente Absuchen des Körpers auf anhaftende Zecken ist zwar eine gute und wirksame Methode zur Vermeidung einer Borreliose, ist jedoch zur Prävention einer FSME ungeeignet. Im Gegensatz zu den Borrelien, die meist erst nach mehr als 24 Stunden übertragen werden, kann die FSME sofort nach erfolgtem Stich der Zecke übertragen werden. (Zur Untersuchung von Zecken finden Sie hier weitere Infos

Die einzige wirksame Prophylaxe stellt die aktive Immunisierung durch Impfung gegen FSME dar. Die beiden im Handel befindlichen Präparate sind gut verträglich und wirksam. Der Kinderimpfstoff ist ab dem vollendeten 1. Lebensjahr zugelassen.

Die ständige Impfkommission (STIKO) am Robert-Koch-Institut empfiehlt die FSME-Impfung für alle Personen, die in FSME-Riskogebieten Zecken exponiert oder durch FSME beruflich gefährdet sind. Dies bedeutet, dass für nahezu die gesamte Bevölkerung in BW die FSME-Impfung eine empfohlene Indikationsimpfung darstellt. Da Erwachsene häufiger schwer erkranken, sollten zunächst vor allem sie geimpft werden.

Bei Kindern sind schwere Verläufe selten und deshalb kann hier eine fehlende Immunität eher toleriert werden als bei Erwachsenen. Eine gut verträgliche Impfung kann jedoch auch hier einen Krankenhausaufenthalt wegen einer Meningitis vermeiden. Gleichzeitig bietet eine Grundimmunisierung im Kindesalter eine gute Basis für die Fortführung der FSME-Impfung im Erwachsenenalter. Der Frage nach FSME-Impfung im Kindesalter sollte man deshalb vor allem bei Kindern mit hohem Infektionsrisiko (z.B. Kindern im Waldkindergarten) positiv gegenüberstehen. Gleichzeitig muss das Augenmerk jedoch auch auf die Immunisierung der Erwachsenen gerichtet sein.

Verantwortlich für den Inhalt

Dr. med. Friedemann Tewald (0711-6357-119)

Stand 3/2019

 

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