Home · Sitemap · Datenschutz · Impressum


Akkreditiert nach
DIN EN ISO/IEC 17 025
DIN EN ISO 15 189
 
Deutsche Akkreditierungsstelle D-ML-17120-01-00 D-PL-17120-01
 
FDA-Registrierung
3002965587
 
Letzte Aktualisierung:
08.01.2019

Dabigatran (Pradaxa®)

Bei Dabigatran handelt es sich um einen direkten, reversiblen Hemmer des Thrombins. Dabigatran hemmt sowohl freies als auch Fibrin-gebundenes Thrombin und die thrombininduzierte Thrombozytenaggregation.

In Deutschald ist die oral verfügbare Prodrug Dabigatranetexilat unter dem Namen Pradaxa® zugelassen.

Eine zuverlässige Bestimmung der Dabigatran-Spiegel ist nur mit dem Haemoclot®-Test möglich.


Die Daten erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die Datenbasis zu Dabigatran erweitert sich ständig.

Bitte beachten Sie zusätzlich zu den hier aufgeführten Empfehlungen in jedem Fall auch die aktuelle Fach-Info bzw. weitere Informationen des Herstellers.


 

Zusammenfassung



Dabigatran-Etexilat

Eigenschaft

Erläuterung

Handelsname

Pradaxa®

Wirksame Substanz

Dabigatran ⇒ Spiegelbestimmung

Oral verfügbare Prodrug

Dabigatran-Etexilat (Strukturformel s. rechts)

Wirkung

direkter Thrombin-Inhibitor (Faktor II) sowohl frei als auch Fibrin-gebunden

Vor Therapiebeginn

Kontrolle der Nierenfuktion

Max Plasmakontentration

0,5 – 2 h

orale Bioverfügbarkeit

6,5%
Die orale Bioverfügbarkeit kann gegenüber der Formulierung der Referenzkapsel um 75% erhöht sein, wenn die Pellets ohne die Hypromellose-Kapselhülle eingenommen werden.
Die Patienten sollten deshalb darauf hingewiesen werden, die Kapsel nicht zu öffnen und die Pellets alleine (z. B. verteilt über Nahrung oder in Getränken) einzunehmen.

HWZ

KBW-Wirkstoff aktuell (01/2010): 14-17 h
Fachinfo: 12-14 h bei NI länger

Normale Dosis bei VHF

300 mg (150 mg 1-0-1) weitere Dosierungen

≥ 80 Lj. bei VHF

nur 2x 110 mg 1-0-1 wg des erhöhten Blutungsrisikos

Renale Elimination

85 % Dosierung bei NI

Cytochrom P450

keine Interferrenz mit CytochromP450 (weder Hemmung noch Induktion)

P-Glycoprotein

Dabigatranetexilat ist Substrat des P-Glycoproteins, Wechselwirkung mit P-Glycoprotein-Hemmern und –Inhibitoren s.u.

GRF < 30 ml/min

Kontraindikation

> 75 Lj.

GFR Kontrolle mindestens 1x p.a.

Bei V.a. NI z. b. durch therapeutische Maßnahmen

Kontrolle der GFR

Umstellung von ASS oder Clopidogrel

Normale Dosis (1-0-1) am ersten Tag des Absetzens

Umstellung von Vitamin K-Antagonisten auf Dabigatran

Nach Absetzen des Vitamin K-Antagonisten und INR < 2,0

Wechselwirkungen

mit vielen Medikamenten

Nahrungsmittel

keine Inteferrenzen bekannt

            



Pharmakologische Daten



Dosislinearität bez. Cmax und AUC für Dabigatran (Eriksson 2004)

Soweit nicht anders angegeben stammen die Daten aus der Fach-Info Pradaxa® (Stand 11/2011)

⇒   

Es besteht eine eindeutige Korrelation zwischen der Dabigatran-Plasmakonzentration und dem Grad der antikoagulierenden Wirkung basierend auf Phase II Studien.

⇒   

Dabigatranetexilat weist eine lineare Phamakokinetik über einen breiten dosisbereich auf.

⇒   

Aufgrund der HWZ ist Dabigatranetexilat i. d. R. 2x tgl. einzunehmen

⇒   

Cmax und die AUC sind dosisproportional

⇒   

Die Halbwertszeit war dosisunabhängig.

⇒   

Die Plasmakonzentration von Dabigatran sank biexponentiell mit einer mittleren terminalen Halbwertszeit von 11 Stunden bei älteren Probanden. Nach Mehrfachdosierung wurde eine terminale Halbwertszeit von ca. 12 – 14 Stunden gemessen.

⇒   

Bei beeinträchtigter Nierenfunktion ist die Halbwertszeit verlängert.

⇒   

Das Blutungsrisiko ist erhöht, wenn der Dabigatran-Plasmatalspiegel nach einer Dabigatran-Dosis von 150 mg zweimal täglich (10 – 16 Stunden nach der vorhergehenden Dosis) über 200 ng/ml liegt.

⇒   

Die orale Bioverfügbarkeit liegt bei 6,5%.

⇒   

Die orale Bioverfügbarkeit kann gegenüber der Formulierung der Referenzkapsel um 75% erhöht sein, wenn die Pellets ohne die Hypromellose-Kapselhülle eingenommen werden. Die Patienten sollten deshalb darauf hingewiesen werden, die Kapsel nicht zu öffnen und die Pellets alleine (z. B. verteilt über Nahrung oder in Getränken) einzunehmen.

⇒   

Bisher sind keine klinisch relevanten Unterschiede zwischen kaukasischen, afroamerikanischen, hispanoamerikanischen, japanischen und chinesischen Patienten beobachtet worden (Härtter  2012).

⇒   

Bei weiblichen Patienten mit Vorhofflimmern waren der Talspiegel und der Spiegel nach Einnahme durchschnittlich 30% höher. Eine Dosisanpassung ist lt. Fach-Info nicht erforderlich.



Therapievergleich Dabigatran Vitamin K-Antagonisten



Komplikationsrate der Therapie mit Dabitran und Warfarin Conolly (2009)

Dabigatran versus Warfarin zur Schlaganfallprophylaxe bei VHF

Conolly et al. 2009

Die Studie verglich an insgesamt 18.113 Patienten mit VHF Dabigatran mit entweder 110 mg oder 150 mg 1-0-1 mit einer Warfarin-Therapie (INR 2,0 - 3,0)

Ereignis

Dabigatran

Warfrain

110 mg 1-0-1

150 mg 1-0-1

"Major bleeding"

  2,71 % p.a.

  3,11 % p.a.

  3,36 % p.a.

"Minor bleeding"

13,16 % p.a.

14,84 % p.a.

16,37 % p.a.

⇒   

Die Dabigatran-Dosierung 110mg 1-0-1 zeigte im Vergleich mit Warfarin eine vergleichbare Schaganfall- und VTE-Rate bei reduzierter Rate an schweren Blutungskomplikationen (s. Tab & Abb.)

⇒   

Die Dabigatran-Dosierung 150mg 1-0-1 zeigte im Vergleich mit Warfarin eine reduzierten Schaganfall- und VTE-Rate bei vergleichbarer Rate an schweren Blutungskomplikationen (s. Tab & Abb.)


Dabigatran versus Warfarin zur Therapie einer akuten VTE

Schulman 2009

Die Studie verglich an insgesamt 2539 Patienten mit akuter VTE Dabigatran 150 mg 1-0-1 mit einer Warfarin-Therapie (INR 2,0 - 3,0). Die Therapie begann nach einer initialen parenteralen Atikoagulation von im Mittel 9 Tagen.

⇒   

Dabigatran 150 mg 1-0-1 ist im Vergleich zu Warfarin ebenso sicher, hat aber ein geringeres Risiko eines Blutungsereignisses

 





Häufigkeit von Blutungen und erneuten thromboembolischen Ereignissen nach Dabigatran- vs Warfraintherapie einer VTE (Schulman 2009)



Dosierung / Kontraindikationen

Dabigatran: Tal- und Spitzenspiegel (25/75 Perzentile) im steady state (3d)

Indikation

Dosis

Spitzenspiegel

Talspiegel

bei normaler GFR

MW

25/75 Perzentile

Abstand zur Gabe

MW

25/75 Perzentile

Abstand zur Gabe

Thromboseprophylaxe
HTEP KTEP

220mg/d
110 mg 2-0-0

70,8 ng/ml

35,2 – 162 ng/ml

nach 2 h

22,0 ng/ml

13,0 – 35,7 ng/ml

nach 24 h

bei VHF
(Apoplexprophylaxe)

300mg/d
150 mg 1-0-1

175 ng/ml

117 – 275 ng/ml

nach 2 h

91,0 ng/ml

61,0 – 143 ng/ml

nach 12 h

Der relativ niedrige Spitzenpiegel der 1 × 220mg-Dosierung in der Thromboseprophylaxe ist durch eine verzögerte postoperative Resorption des Dabigatranetexilat bedingt (Stangier 2008).



Einfluss von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Ethnie

Einflussgröße

Dabigatran

Alter

> 75 Lj wg. NI kontraindiziert

Körpergewicht

< 50 kg / > 110 kg: Überwachung

Geschlecht

kein Einfluss

Ethnie

kein Einfluss

Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

Therapie mit Dabigatranetexilat bei VHF-Patienten mit beeinträchtigter Nierenfunktion

Kreatinin-Clearance

Blutungsrisiko

Dosisanpassung

empfohlene Dosierung

≥50-80 ml/min

unabhängig

nicht erforderlich

150mg 1-0-1

≥30-50 ml/min

normal

nicht erforderlich

150mg 1-0-1

hoch

empfohlen

110mg 1-0-1

<30 ml/min

Kontraindikation

Quelle: Konsensus-Ratgeber Schlaganfall-Prävention Böhm et al. 2011

⇒   

Bei Patienten > 75 Jahre sollte die Nierenfunktion mindestens 1x pro Jahr überprüft werden.



Vergessene Einnahme

Quelle: Fachinfo Pradaxa 11/2011

 

  • Eine vergessene Dabigatranetexilat-Dosis kann bis zu 6Stunden vor der nächsten vorgesehenen Dosis eingenommen werden.
  • Wenn die Zeitspanne vor der nächsten vorgesehenen Dosis kürzer als 6 Stunden ist, sollte die vergessene Dosis nicht mehr eingenommen werden.
  • Wenn die vorherige Einzeldosis vergessen wurde, sollte nicht die doppelte Dosis eingenommen werden.



Überdosierung



Vorgehen bei Überdosierung von Dabigatran

(modifiziert nach van Ryn 2010)

Bei übermäßiger Gerinnungshemmung muss die Behandlung mit Pradaxa unter Umständen unterbrochen werden.

Es gibt kein spezifisches Antidot gegen Dabigatran.

Im Falle hämorrhagischer Komplikationen ist die Behandlung abzubrechen und die Blutungsquelle festzustellen. Da Dabigatran überwiegend renal ausgeschieden wird, ist eine ausreichende Diurese sicherzustellen. Eine geeignete unterstützende Behandlung, z. B. chirurgische Hämostase oder Plasmavolumenersatz, sollte nach dem Ermessen des behandelnden Arztes eingeleitet werden.

Aufgrund der geringen Plasmabindung ist Dabigatran dialysefähig; es liegen begrenzte klinische Erfahrungen vor, die den Nutzen des oben beschriebenen Ansatzes in klinischen Prüfungen zeigen.

⇒  

Zur Antagonisierung von Dabigatran siehe  Levi (2010)

    

Maßnahmen bei V. a. klinisch relevante Überdosierung

⇒  

Unterbrechung der Antikoagulationstherapie

⇒  

Feststellung der Blutungsquelle, lokale Blutstillung

⇒  

Sicherstellung einer ausreichenden Diurese.

⇒  

Bluttransfusionen, Transfusion von gefrorenem Frischplasma oder Prothrombin-Komplex-Konzentraten (z. B. PPSB [Prothrombin, Prokonvertin, Stuart-Prower-Faktor, antihämophiler Faktor B])1) oder rFVIIa (rekombinanter, aktivierter Faktor VII)1).

⇒  

Bei Thrombozytopenie kann die Gabe von Thrombozyten-Konzentraten in Betracht gezogen werden.

⇒  

Da die Protein-Bindung von Dabigatran gering ist, kann es dialysiert werden1). Basierend auf den Konzentrationsunterschieden, die im zu- und abfließenden Blut gemessen wurden, betrug der durchschnittliche Anteil von Dabigatran, der durch die Dialyse entfernt wurde, nach 2 Stunden 62% und nach 4 Stunden 68%.

⇒  

Fortsetzung von Dabigatranetexilat bei gesicherter Hämostase (Cave: nicht vor dem nächsten planmäßigen Einnahmezeitpunkt).

1) Diese Therapie-Empfehlung  basiert auf begrenzten, nicht-klinischen Daten.



Schwangerschaft / Stillzeit

Quelle Fachinfo Pradaxa 11/2011)

Datenlage

Empfehlung

Schwangerschaft    

Tierexperimentell Nachweis einer Reproduktionstoxizität

• bei Therapie mit Dabigatran SS vermeiden
• in der SS kontraindiziert

Stillzeit

keine Daten für die Wirkung auf den Säugling

kontraindiziert, ggf. Abstillen



Präoperative Maßnahmen unter Dabigatran

Zeitpunkt des Absetzens vor chirurgischen Eingriffen (nach van Ryn 2010) Fachinfo 11/2011

Dabigatran: Empfohlenes Therapieende vor chirurgischen Eingriffen

Kreatinin-Clearance 1)

geschätzte HWZ 2)

Zeitpunkt für Absetzen bei
hohem Blutungsrisiko oder größerer Eingriff 3)

Zeitpunkt für Absetzen bei
Standardrisiko

>80 ml/min

13 h (11-22)

2-4 Tage vorher

24 Stunden vorher

> 50 bis ≤ 80 ml/min

15 h (12-34)

2-4 Tage vorher

24 Stunden vorher

> 30 bis ≤ 50 ml/min

18 h (13-23)

4 Tage vorher

2-3 Tage vorher (> 48 Stunden)

≤ 30 4)

27 h (22-35)

>5 Tage

2-5 Tage

1)

Da in den Studien mit Dabigatranetexilat die Kreatinin-Clearance anhand des Serumkreatininspiegels mittels der Cockcroft-Gault-Formel berechnet wurde, beziehen sich auch die weltweiten Empfehlungen in der Fachinformation von Pradaxa® zur Einschätzung der Nierenfunktion immer auf die mittels der Cockcroft-Gault-Formel abgeschätzte Kreatinin-Clearance.

2)

Daten von Freiwilligen (Stangier 2010)

3)

OPs, die mit einem hohen Blutungsrisiko verbunden sind (oder schwere OPs, bei denen vollständige Hämostase erforderlich ist), sind u. a. Herzchirurgie, Neurochirurgie, Abdominalchirurgie und OPs, die ein bedeutendes Organ betreffen. Andere Behandlungen wie z. B. Spinalanästhesie können auch eine vollständige Hämostase erfordern. Weitere wichtige Faktoren zur Bestimmung des Blutungsrisikos sind u. a. fortgeschrittenes Alter, Begleiterkrankungen (z. B. schwere Herz-, Atemwegs- oder Lebererkrankungen) und gleichzeitige Einnahme von Thrombozytenfunktionshemmern.

4)

nur bei Entwicklung einer NI unter Dabigatran, da primär Kontraindikation für Dabigatran



Postoperative Maßnahmen unter Dabigatran

Quelle: Fachinfo Pradaxa 11/2011

Situation

Empfehlung

Spinalanästhesie / Epiduralanästhesie / Lumbalpunktion

Erste Pradaxadosis mindestens 2 h nach Entfernung des Katheters, gefolgt von engmaschigen Kontrollen auf Symtome eines Spinal- oder Epiduralhämatoms

erhöhtes postop. Blutungsrisiko

strenge Indikationsstellung, Beginn erst nach Normalisierung der Hämostase

Krea-Clearance 30-50 ml/min

strenge Indikationsstellung

OP einer Hüftfraktur

mangels Daten nicht empfohlen.

Myocardinfarkt

das relative Risiko eines MI liegt bei Dabigatran gegenüber Warfarin um 29% höher



Monitoring



Korrelation der Gerinnungsparameter mit der Elimination von Dabigatran nach einer einmaligen Gabe von 200mg Dabigatranetexilat (Stangier et al. Br J Clin Pharmacol 2007; 64:292-303).

(Stangier  2007)

Es existiert zur Zeit kein Routine-Gerinnungstest, der die Wirkung von Dabigatran optimal abbildet.

Obwohl alle gängigen Gerinnungsparameter von Dabigatranetexilat beeinflusst werden, liefern die etablierten Gerinnungstests wie

⇒   

International Normalized Ratio (INR)

⇒   

aktivierte partielle Thromboplastinzeit (aPTT)

⇒   

Thrombinzeit (TZ)

⇒   

Ecarin Clotting Time (ECT, nicht weit verbreitet, kein Routine-Parameter)

 keine validen Aussagen über die genaue Plasma-Konzentration von Dabigatran (s. Abb.).
Die Veränderung der Gerinnungsparameter ist am stärksten ausgeprägt, wenn die Blutabnahme zwei Stunden nach Einnahme von Dabigatranetexilat erfolgt (Peak-Spiegel). Erfolgt die Blutabnahme 10-16 Stunden nach der letzten Einnahme von Dabigatranetexilat (Talspiegel), werden die gemessenen Werte niedriger sein (siehe Abb.).

Weiter unten ist beschrieben, welche Aussagen überhaupt mit den Routineuntersuchungen möglich sind. Dies ist vor allem für Kliniken von Interesse, die mit Dabigatran behandelte Notfälle bezüglich der Hämostase beurteilen müssen, ohne den speziellen Test für Dabigatran vorort zu haben.

Für exakte Messungen steht eine spezielle Untersuchung zur Verfügung:

Bestimmung der Dabigatran-Spiegel

Der Test nennt sich Haemoclot® und wurde speziell zur quantitativen
Bestimmung von direkten Thrombin-Inhibitoren (DTI) wie Hirudin, Argatroban und Dabigatran entwickelt.

Bestimmung der Dabigtranspiegel

Material:

gefrorenes Citratplasma

Abnahme:

Talspiegel: d. h. Abnahme direkt vor der nächsten Gabe

Bestimmung:

Bei Proben, die unser Labor Mo - Fr bis 12:30 h erreichen, kann das Ergebnis nur am gleichen Tag übermittelt, wenn die Probe zuvor telefonisch unter 0711/6357-105 angekündigt wurde.

Eine Beurteilung des Messwertes ist nur möglich, wenn genaue Angaben über Präparat sowie Dosierung und Zeitpunkt der letzten Applikation gemacht werden.



INR



INR-Werte in Abhängigkeit der Dabigatran-Konzentration (van Ryn 2010)

⇒   

INR-Werte steigen bei zunehmenden Dabigatranspiegeln nur gering an.

⇒   

INR-Werte sind daher nicht sensitiv genug und eignen sich nicht zur Abschätzung der Gerinnungshemmung unter Dabigatran (van Ryn et al. 2010).

 

 

 

 



aPTT



aPTT-Werte in Abhängigkeit der Dabigatran-Konzentration (van Ryn 2010)

⇒   

Die aPTT nimmt zwar mit höheren Dabigatranspiegeln zu, da die Kurve jedoch mit zunehmenden Dabigatranspiegeln abflacht, ist vor allem bei höheren Dabigatranspiegeln keine verwertbare Korrelation zur aPTT gegeben.

⇒   

Der Test zur Bestimmung der aktivierten partiellen Thromboplastinzeit (aPTT) ermöglicht eine annähernde Abschätzung der unter Dabigatranetexilat erzielten Gerinnungshemmung.

⇒   

Ein im Talspiegel gemessener Wert der aPTT > 80 Sekunden weist auf ein erhöhtes Blutungsrisiko hin.



Thrombinzeit



Thrombinzeit in Abhängigkeit der Dabigatran-Konzentration (van Ryn 2010)

Mit der Thrombinzeit (TZ) beurteilt man direkt die Aktivität von Thrombin, sie ist daher ein direktes Maß für die Aktivität von direkten Thrombininhibitoren.

⇒   

Bei gesunden Probanden ergab sich im Steady-State-Niveau nach der Verabreichung von Dabigatran 100 mg 1-1-1 eine TZ-Verhältnis vom 14-fachen des Ausgangswertes. Bei hohen Dabigatran-Konzentrationen wird jedoch die maximale Messzeit der Gerinnungsautomaten überschritten und es ist kein exakter Wert zu ermitteln.

⇒   

Da Thrombinzeit-Messungen je nach Koagulometer unterschiedlich ausfallen können, ist die Angabe eines cut-off-Levels nur schwer möglich.

⇒   

Die TZ-Ratio ist besonders empfindlich für die Wirkung von Dabigatran und zeigt eine lineare Dosis-Wirkung-Beziehung in therapeutischen Konzentrationen.

⇒   

Die TZ kann nur als sensitiver Test für geringe bis normale Dabigatran-Spiegel dienen.

⇒   

Eine normale Thrombinzeit ist ein Hinweis auf die Abwesenheit einer klinisch relevanten antikoagulatorischen Wirkung von Dabigatran.

⇒   

Wenn die INR-Werte normal und die aPTT-Werte niedrig sind, kann verlängerte Thrombinzeit einen indirekten Hinweis auf eine gerinnungshemmende Restaktivität von Dabigatran liefern (Stangier et al. 2007).



Ecarin clotting time (ECT)



Ecaterin Clotting Time in Abhängigkeit der Dabigatran-Konzentration (van Ryn 2010).

Die Ecarin clotting time (ECT) ist ein Gerinnungstest zur Feststellung der Gerinnungshemmung unter Einsatz direkter Thrombin-Inhibitoren wie Dabigatranetexilat oder Hirudin.

⇒   

Der ECT-Test zeigt im klinisch relevanten Bereich eine direkte Korrelation mit der Dabigatran-Plasma-Konzentration.

⇒   

Er zeichnet sich durch eine adäquate Sensitivität aus (van Ryn et al. 2010, Stangier et al. 2007).

⇒   

Eine ECT, die um das 3- bis 4-fache verlängert ist, gemessen im „Talspiegel“, also zum Zeitpunkt der geplanten nächsten Dosis, ist mit einem erhöhten Blutungsrisiko verbunden (van Ryn et al. 2010).



Wechselwirkungen mit anderen Substanzen

Umstellung auf/von anderen Präparaten

Quelle: Fachinfo Pradaxa 11/2011

Umstellung

Empfehlung

von Dabigatran auf parenteral

Beginn der alternativen Therapie 24 h nach letzter Dabigatrangabe

von parenteral auf Dabigatran

Dabigatrangabe 0-2 h vor der nächsten vorgesehenen Gabe des anderen Präparates, bei kontinuierlicher Gabe (UFH) direkt nach Absetzen

von Vitamin K-Antagonisten auf Dabigatran

Nach Absetzen des Vitamin K-Antagonisten und Erreichen eines INR-Wertes von <2,0

von Dabigatran auf Vitamin K-Antagonisten

Kreatinin-Clearance ≥ 50ml/min: Behandlungsbeginn mit Vitamin K-Antagonisten 3 Tage vor dem Ende der Behandlung mit Dabigatranetexilat.

Kreatinin-Clearance ≥ 30 bis < 50ml/min: Behandlungsbeginn mit Vitamin K-Antagonisten 2 Tage vor dem Ende der Behandlung mit Dabigatranetexilat.



P-Glycoprotein-Hemmer / -induktoren

Quelle: Fachinfo Pradaxa 11/2011

P-Glykoprotein ist ein aktives Effluxtransportprotein, das unter ATP-Verbrauch hydrophobe Substrate aus der Lipidmembran der Zelle zurück in ein äusseres Kompartiment transportiert. P-GP kommt physiologisch an verschiedenen Geweben (z.B. Darm, Leber, Niere, Blut-Hirn-Schranke) des menschlichen Körpers vor, insbesondere an Epithelgeweben, die an ein exkretorisches Kompartiment grenzen.

P-GP hat eine ausserordentlich breite Substratspezifität und transportiert zahlreiche Arzneistoffe. Es gibt viele Hinweise dafür, dass P-GP einen wichtigen Einfluss auf die Pharmakokinetik seiner Substrate (Wirkstoffe) ausübt. Deshalb sind Arzneimittel-Interaktionen möglich, beispielsweise durch eine Hemmung oder eine Induktion von P-GP.

P-Glycoprotein-Hemmer

Substanz

Einstufung der Komedikation

Ketokonazol

kontraindiziert

Itraconazol

kontraindiziert

Posakonazol

wegen mangelnder klinischer Daten nicht empfohlen

Ciclosporin

kontraindiziert

Tacrolimus

kontraindiziert

Amiodaron

strenge Indikationsstellung

Chinidin

strenge Indikationsstellung

Verapamil

strenge Indikationsstellung (Dabigatrandosis nur 110 mg 1-0-1 bei gleichzeitiger Einnahme mit Verapamil !!)

Dronendaron

wegen mangelnder klinischer Daten nicht empfohlen

Clarithromycin

engmaschige klinische Kontrollen angezeigt

P-Glycoprotein-Induktoren

P-Glycoprotein-Induktoren führen zu verringerten Dabigatran-Plasmaspiegeln. Eine Komedikation sollte vermieden werden.

Substanz

Einstufung der Komedikation

Rifampicin

vermeiden

Johanniskraut (Hypericum perforatum)

vermeiden

Carbamazepin

vermeiden

Phenytoin

vermeiden



Proteasehemmer & Magensäure-Regulatoren

Quelle: Fachinfo Pradaxa 11/2011

⇒   

Proteasehemmer wirken als P-Glycoprotein-Hemmer oder –Induktoren. Eine Komedikation sollte vermieden werden.

⇒   

Mit Magensäureregulatoren besteht keine relevante Interkation.

Proteasehemmer

Substanz

Einstufung der Komedikation

Ritonavir

nicht empfohlen

Kombinationen mit Ritonavir

nicht empfohlen

       

Magensäure-Regulatoren

Substanz

Einstufung der Komedikation

Protonenpumpenhemmer

möglich

Pantoprazol

keine Dosianpassung v. Dabigatran notwendig, da keine relevante Interaktion

Ranitidin

gleichzeitige Gabe möglich



Literatur

Connolly S Dabigatran versus Warfarin in Patients with Atrial Fibrillation N Engl J Med 2009;361:1139-51

Eriksson B et al. Dose escalating safety study of a new oral direct thrombin inhibitor, dabigatran etexilate, in patients undergoing total hip replacement: BISTRO I. J Thromb Haemost. 2004 Sep;2(9):1573-80

Härtter S. Pharmacokinetics and pharmacodynamics in Japanese and Caucasian subjects after oral administration of dabigatran etexilate Thromb Haemost 2012; 107: 260–269

Liesenfeld K-H et al. Effects of the direct thrombin inhibitor dabigatran on ex vivo coagulation time in orthopaedic surgery patients: a population model analysis Br J Clin Pharmacol. 2006 62(5): 527–537

Schulman S et al. Dabigatran versus Warfarin in the Treatment of Acute Venous Thromboembolism N Engl J Med 2009;361:2342-52

Stangier J et al. The pharmacokinetics, pharmacodynamics and tolerability of Dabigatranetexilate, a new oral direct thrombin inhibitor, in healthy male subjects. Br J Clin Pharmacol. 2007 Sep;64(3):292-303

Stangier J et al. Influence of renal impairment on the pharmacokinetics and pharmacodynamics of oral dabigatran etexilate. Clin Pharmacokinet 2010; 49: 259–268

van Ryn J et al. Dabigatranetexilate - a novel, reversible, oral direct thrombin inhibitor: interpretation of coagulation assays and reversal of anticoagulant activity. Thromb Haemost. 2010 Jun;103(6):1116-27

 

 

 

 Seite drucken
Dabigatran (Pradaxa®)
Zusammenfassung
Pharmakologische Daten
Therapievergleich Dabigatran Vitamin K-Antagonisten
Dosierung / Kontraindikationen
Einfluss von Alter, Körpergewicht, Geschlecht und Ethnie
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Vergessene Einnahme
Überdosierung
Schwangerschaft / Stillzeit
Präoperative Maßnahmen unter Dabigatran
Postoperative Maßnahmen unter Dabigatran
Monitoring
Bestimmung der Dabigatran-Spiegel
INR
aPTT
Thrombinzeit
Ecarin clotting time (ECT)
Wechselwirkungen mit anderen Substanzen
Umstellung auf/von anderen Präparaten
P-Glycoprotein-Hemmer / -induktoren
Proteasehemmer & Magensäure-Regulatoren
Literatur