Chlamydia trachomatis-Infektion

Fachinfo

(PHIL, CDC)

Infektionen mit Chlamydia  trachomatis (Serotyp D-K) gehören weltweit zu den am häufigsten sexuell übertragenen Infektionen. In Europa werden die höchsten Prävalenzraten bei unter 25-Jährigen nachgewiesen. Meldedaten an das European Centre for Disease Control and Prevention (ECDC) für das Jahr 2018 ergaben, dass 61% aller positiven Befunde die Gruppe der 15-24-Jährigen, 39% die Altersgruppe 20-24 Jahre und 28% die der 25-34-Jährigen betraf. Entsprechende Daten sind für Deutschland nicht verfügbar, da mit Ausnahme des Bundeslandes Sachsen keine Meldepflicht besteht.
Bei unserer Auswertung positiver Fälle (1313/59971) betrafen 79% der postiven Befunde 15-24-jährige Frauen, 18% 25-34-jährige Frauen und 3% die Altersgruppe der >34-jährigen Frauen.

Klinik der Chlamydia trachomatis-Infektion

Frauen

Bis zu 90% der Infektionen verlaufen bei Frauen subklinisch. Aszendierende Infektion können zu entzündlicher Beckenerkrankung (pelvic inflammatory disease [PID]), Endometritis, Salpingitis und Oophoritis, führen. Mögliche Spätfolgen sind tubare, sekundäre Sterilität und ektope Schwangerschaften.

Schwangere

Die Symptome einer C. trachomatis-Infektion bei der Schwangeren unterscheiden sich nicht von denen bei Nichtschwangeren. Es gibt Hinweise, dass eine unbehandelte C. trachomatis-Infektion in der Schwangerschaft zu Frühgeburtlichkeit führen kann. Nach Entbindung oder Abort kann der Erreger über den geöffneten Muttermund in den Uterus gelangen und zu einer postpartalen, postabortalen Endometritis sowie in Folge zu tubarer Sterilität oder ektoper Schwangerschaft führen.

Neugeborene

Unter Geburt wird die Infektion in ca. 60% auf das Neugeborene übertragen. Die Folgen können Konjunktivitis (Beginn am 5. bis 14. Lebenstag) oder Pneumonie im 1.-3. Lebensmonat sein.

Männer

Beim Mann verläuft die urethrale C. trachomatis-Infektion in über 50% asymptomatisch. Mögliche Folgen einer aufsteigenden Infektion sind Prostatitis, Vesikulitis, Epididymitis, Orchitis.

Zudem kann bei Frauen und Männern eine akute Gelenkentzündung (hauptsächlich Knie, Sprung- und Zehengelenke betreffend) bis zu vier Wochen nach urogenitaler C. trachomatis auftreten.

Chlamydia trachomatis-Prophylaxe

Um schwerwiegende Folgen zu verhindern, sind in Deutschland zwei Richtlinien vorgesehen.
a) Richtlinie zur Empfängnisregelung und zum Schwangerschaftsabbruch: Screening für nicht schwangere Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr und bei allen Schwangerschaftsabbrüchen.
b) Mutterschaftsrichtlinie: Screening bei der ersten Schwangerschaftsvorsorgeuntersuchung.

Diagnostik der Chlamydia trachomatis-Infektion

Screening

Die Untersuchung erfolgt im Urin mittels Nukleinsäureamplifikation (NAT), da Urin bei einer Infektion infizierte Epithelzellen enthält.

Verdacht auf Infektion

Bei entsprechender Symptomatik sind zervikale, vaginale, urethrale Abstriche vorgesehen.
Ggf. bei Verdacht auf Chlamydiensalpingitis laparoskopisch gewonnene Tubenabstriche bzw. bei reaktiver Arthritis Synovialflüssigkeit.

Bei Neugeborenen: Konjunktivale oder nasopharyngeale Abstriche

! Schnellteste (sogenannte „bed-side-tests“) werden nicht empfohlen (mangelnde Sensitivität und Spezifität).

Die Antikörperbestimmung wird in der Akutdiagnostik nicht eingesetzt, da spezifische Antikörper erst ca. 6 bis 8 Wochen nach Infektion messbar sind und monate- oder jahrelang persistieren können. Bei reaktiver Arthritis, Verdacht auf Salpingitis, Perihepatitis oder Fertilitätsabklärung schließt ein negativer Antikörper Befund eine Infektion der Cervix zwar nicht aus, macht eine chronische, aufsteigende Infektion unwahrscheinlich.

Therapie der Chlamydia trachomatis-Infektion

Nichtschwangere und Männer: Bevorzugt Doxycyclin (siehe WHO guidelines for treatment – https://www.who.int/reproductivehealth/publications/rtis/chlamydia-treatment-guidelines/en/)

Schwangere: Bevorzugt Azithromycin (siehe WHO guidelines for treatment – siehe Link oben)

Neugeborene: Erythromycin (siehe WHO guidelines for treatment – siehe Link oben bzw. DGPI-Handbuch aktuelle Auflage)

! Bei einer nachgewiesenen C. trachomatis-Infektion ist die Partneruntersuchung und bei positivem Befund die Therapie obligat.

Eine Therapieerfolgskontrolle mittels NAT sollte frühestens 8 Wochen nach Therapiebeginn durchgeführt  werden. Während der Therapie sollte kein ungeschützter Geschlechtsverkehr erfolgen (Gefahr einer Reinfektion).

–> zur Übersicht: Prä- und perinatale Infektionen