„Mini Case Reports“ aus der Bakteriologie

Erstmals Pseudomonas helleri in klinischem Material nachgewiesen

TR 22.7.20

Bei der routinemäßigen Kontrolluntersuchung wurde im Sputum einer 16-jährigen CF-Patienten neben anderen Erregern Pseudomonas helleri kulturell nachgewiesen. Die Identifizierung gelang mittels 16s-Sequenzierung. Ein Identifizierungsversuch mit MALDI-TOF hatte kein verwertbares Ergebnis erbracht. Der nächstliegende Treffer entsprach am ehesten dem Spektrum von Pseudomonas fragi.

P. helleri wurde 2016 erstmals von einer deutschen Arbeitsgruppe aus der Veterinärmedizin beschrieben. Diese konnte den Erreger in roher Kuhmilch nachweisen (DOI: 10.1099/ijsem.0.000852). Beim Menschen konnte die neue Spezies unseres Wissens bisher nicht nachgewiesen werden. Über die Pathogenität für Tier oder Mensch ist nichts bekannt, da bisher keine Erkrankungsfälle beschrieben worden sind. Somit ist die Relevanz des Erregers im vorliegenden Fall zunächst unklar.

Fortsetzung folgt …

Neisseria gonorrhoeae als Verursacher einer Tenosynoviitis

TR 22.7.20

Ein 51 Jahre alter Patient stellte sich mit Schmerzen in der linken Hand und Fieber vor. Die Hand war im Bereich des zweiten und dritten Strahls geschwollen und gerötet. Eine Verletzung war nicht erkennbar.

Da die Beschwerden zunahmen wurde die Hand operiert. Die bakteriologische Untersuchung eines intraoperativen Abstrichs ergab das Wachstum von Neisseria gonorrhoeae (“Gonokokken”) in Reinkultur.

Der operative Eingriff und die antibiotische Behandlung mit Ceftriaxon führten zur Abheilung der Infektion.

Unklar blieb, auf welchem Weg die Gonokokken ins Gewebe der Hand gelangt waren. Prinzipiell wäre dies auf direktem Weg über eine Gewebeläsion im Bereich der Hand oder hämatogen ausgehend von einer Genitalinfektion möglich.

Ähnliche Fälle wurden in der medizinischen Literatur bisher nur vereinzelt beschrieben.

Lactobacillus delbrückii: Ein extrem seltener Verursacher von Harn-wegsinfektionen

TR 23.7.20

Eine 47 Jahre alte ambulante Patientin mit bekannter Diabetes mellitus wurde wegen typischer Zystitisbeschwerden und dem Nachweis von Leukozytenesterase im Streifentest (Urin-Stix) mit Fosfomycin p.o. behandelt. Da eine Besserung ausblieb wurde 2 Tage später eine Untersuchung des Urinsediments veranlasst und eine bakteriologische Kultur auf einem Eintauchnährmedium in der Praxis angesetzt, sowie eine Therapie mit Cotrimoxazol verordnet.

Nach vorübergehender Beschwerdebesserung traten erneut Schmerzen auf. Da die Kultur auf dem Eintauchnährmedium kein Wachstum zeigte, obwohl im Urinsediment Leukozyten und Bakterien zu erkennen waren, wurde auf Anraten des Mikrobiologen eine Urinkultur im mikrobiologischen Labor veranlasst.

Die Kultur im mikrobiologischen Labor ergab das Wachstum von Lactobacillus delbrückii in einer Keimzahl von > 100.000 KBE/ml in Reinkultur. Das Isolat wies eine Resistenz gegen Fosfomyin, Cotrimoxazol und Ciprofloxacin aus, war aber empfindlich auf Penicilline und Cephalosporine.

Die anschließende Behandlung mit Amoxicillin führte zu einem raschen Abklingen der Symptome. Kontrollurinsediment und Urinkultur waren im Anschluss ohne pathologischen Befund.

Laktobazillen sind Teil der Normalflora von Darm und Vagina und gelten als gering virulent. Als Verursacher von Harnwegsinfektionen kommen sie extrem selten vor. Neben unserem Fall wurde bisher nur eine weitere durch L. delbrückii verursachte Harnwegsinfektion einer Frau beschrieben (https://jcm.asm.org/content/47/1/275). Da sich die Erreger auf den üblichen Tauchträgernährmedien nicht vermehren können, gelingt der Nachweis nur im mikrobiologischen Fachlabor.

L. delbrückii ist in Probiotikazubereitungen und verschiedenen Molkereiprodukten enthalten. Leider liegen diesbezüglich keine Angaben von Seiten der Patientin vor.